Schlangen
From Mexiko-Lexikon
Schlangen sind wechselwarme Tiere und gehören zu den Reptilien. Sie kommen, je nach Art, in ganz Mexiko vor. Schätzungsweise leben in Mexiko ca. 700 Arten und Unterarten von Schlangen, wovon ca. 120 giftig sind.
- Für Informationen über Giftschlangen und ihr Vorkommen in Mexiko siehe: Hauptartikel Giftschlangen
Alle Schlangen sind Fleischfresser und stellen einen wichtigen Faktor für die Balance des ökologischen Systems dar. Abhängig von ihrer eigenen Körpergröße ernähren sie sich von einer Vielzahl lebender Tiere, wie zum Beispiel Insekten, Mäuse, Ratten, Vögel und Reptilien, und verhindern damit eine Massenvermehrung ihrer Beutetiere.
Inhaltsverzeichnis |
In Mexiko vorkommende Schlangen
Giftig oder Ungiftig
Obwohl für gewöhnlich bei Schlangen zwischen Giftschlange und „harmloser“ Schlange unterschieden wird, handelt es sich bei dem Begriff „Giftschlange“ nicht um eine systematische Einteilung der Schlangen, sondern er beschreibt lediglich eine bestimmte Eigenschaft der Schlange.
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Für einen Nicht-Herpetologen (Kriechtierforscher) ist es bei der großen Vielfalt der Schlangen äußerst schwierig, eine so genannte Giftschlange von einer „harmlosen“ Schlange zu unterscheiden. Äußere Merkmale, wie zum Beispiel Augenform und Schuppenmuster sind für eine eindeutige Zuordnung, da sie oft bei beiden Arten gleich vorhanden sind, ebenso ungeeignet wie die Art der Kopfform. Erschwert wird die Zuordnung zudem durch das Phänomen der Schlangen-Mimikry (griechisch mimos, übersetzt „nachahmen“).
Mimikry
In der Zoologie bezeichnet Mimikry das Phänomen der Signalfälschung, bei der eine wehrlose Tierart die Merkmale wehrhafter, gefährlicher oder ungenießbarer Tiere (Gestalt, Farbe) nachahmt bzw. übernimmt. Diese Signaltäuschung (Nachahmung) schütz das wehrlose Tier vor möglichen Fressfeinden. Ein Beispiel für Mimikry liefert die in Mexiko lebende, harmlose Dreiecksnatter (wissenschaftlicher Name: Lampropeltis triangulum ) oder auch Milchschlange genannt. Sie ahmt optisch, für den Laien schwer zu unterscheiden, die hochgiftige, ebenfalls in Mexiko lebende, Echte Korallenotter (wissenschaftlicher Name: Micrurus) nach. Der Unterschied bei beiden Schlangen findet sich lediglich in der Reihenfolge der Farben. Während die Dreiecksnatter die Farbfolge rot-schwarz-gelb-schwarz aufweist, findet sich bei der Echten Korallenotter die Farbfolge schwarz-gelb-rot-gelb.
Schlangenbisse
Schlangen sind für gewöhnlich Fluchttiere und die meisten Schlangenbisse geschehen durch Unachtsamkeit. Die Gefahr für einen Pauschaltourist von einer Schlange gebissen zu werden ist relativ gering und Schlangenbisse sind in der Regel vornehmlich ein Problem ländlicher Bevölkerung. Siehe hierzu Hauptartikel: Schlangenbisse
Zufällige Begegnungen mit Schlangen sind für Backpacker, Individual- und Abenteuer-Touristen jedoch durchaus real und erfordern ein umsichtiges Verhalten. Siehe hierzu Hauptartikel: Vorbeugende Maßnahmen.
Zur eigenen Sicherheit sollte nach einem Schlangenbiss sofort ein Arzt aufgesucht werden. Die Erkennung spezifischer Vergiftungssymptome sowie die richtige Behandlung können nur durch einen Fachmann erfolgen. Siehe hierzu: Notfallverhalten nach einem Schlangenbiss
Warnung und Tarnung
Da Giftschlangen nicht in der Lage sind, mit einem Biss Beutetiere zu töten und zum Verzehr in kleine Stücke zu zerlegen, dient ihnen ihr Giftapparat in erster Linie zum Beutefang sowie zur Verdauung der unzerkaut verschlungenen Beute und wird im Normalfall erst bei einer Bedrohung zur Verteidigung eingesetzt. In der Regel vertraut die Schlange zuvor jedoch auf ihre oftmals hervorragende, und vielfach der Umgebung angepassten Tarnung oder sie flüchtet oder versucht, den Gegner einzuschüchtern, wobei Schlangen ein großes Repertoire an Einschüchterungsversuchen besitzen. Während die Klapperschlangen zur Warnung eine Klapper aus toten Horngliedern am Schwanzende benutzt, mit der sie zur Drohung ein lautes und ausdauerndes Rasseln ertönen lässt, drehen sich andere Schlangenarten auf den Rücken und stellen sich tot. Um den Eindruck zu verstärken, öffnen sie das Maul und lassen ihre Zunge heraushängen. Andere Arten wiederum rollen sich zusammen und verstecken ihren Kopf darin oder sondern aus der Kloake eine stinkende Mischung aus Kot und Analdrüsensekret aus. Manchmal kommt es auch zum Auswürgen von einer zuvor verschluckten Beute.
Schlangengift
Schlangengift besteht aus einem komplexen Gemisch von Proteinen und Polypeptiden mit enzymatischen und toxischen Eigenschaften. Obwohl die Zusammensetzung und Konzentration des Schlangengiftes je nach Schlangenfamilie erheblich variiert, kann die für bestimmte Schlangenfamilien charakteristische Giftwirkung grob in zwei Gruppen unterteilt werden: Neurotoxisch und hämotoxisch. So wirkt das Gift der Giftnattern(Elapidae) vorwiegend auf das Nervensystem (neurotoxisch) und kann eine Blockade der Erregungsübertragung bis hin zur Lähmung der Muskulatur und Atmung verursachen. Das Gift der Vipern (Viperidae) und Klapperschlangen (Crotalus) hingegen greift bevorzugt die Blutgerinnung und das Gewebe (hämotoxisch) an und kann ausgedehnte Hämorrhagien (unwillkürlicher Blutaustritt aus dem Blutkreislauf) und Nekrosen (Gewebezellen in einem lebenden Organismus sterben ab) verursachen.
Giftzähne
Der Großteil der Schlangen besitzt zahlreiche spitze, häufig nach hinten gebogene Zähne zum Festhalten von Beuttiere. Neben diesen normalen Zähnen besitzen die so genannten Giftschlangen noch zusätzliche Giftzähne.
Anhand ihrer Zähne werden Schlangen in vier Gruppen eingeteilt: Glattzähner, oder auch Vollzähner genannt (Aglyphe), Hinter-Furchenzähner (Opistoglyphe), Vorder-Furchenzähner (Proteroglyphe) und Röhrenzähner (Solenoglyphe).
- Glattzähner (Aglyphe) : Schlangen ohne Giftzähne. Die ungefurchten und kanallosen Zähne sitzen gleichmäßig verteilt im Kiefer. Aggressive Schlangenarten können zwar hart zubeißen, aber es entstehen in der Regel nur leichte, lokale Wunden. Aufgrund dessen, dass jedoch einige dieser Schlangenarten einen giftigen Speichel absondern, können Blutvergiftungen oder Wundentzündungen nicht ausgeschlossen werden.
Zu den Aglyphe- Schlangen zählen: Riesenschlangen (Boidae), Beispiel Boa constrictor in Yucatán; Blindschlangen (Typhlopidae), Beispiel die Yucatan-Blindschlangen (Typhlops microstomus) in Campeche; zahlreiche Nattern (Colubridae), Beispiel die Kornnattern (Pantherophis guttatus) in Querétaro; Schlankblindschlangen (Leptotyphlopidae), Beispiel die Texasschlankblindschlangen (Leptotyphlops dulcis) in San Luis Potosi.
- Hinter-Furchenzähner (Opistoglyphe) :Schlangen dieser Gruppe werden als bedingt giftig und kaum für Menschen gefährlich eingestuft. Bei diesen Schlangen befinden sich im hinteren Bereich des Oberkiefers längsgefurchte Giftzähne. Diese Giftzähne eignen sich durch ihre Lage nicht für einen Giftbiss und treten nur dann in Funktion, sobald ein Beutetier
tief genug in den Rachen der Schlange hineingerät. Ausnahmen bilden, die nicht in Mexiko vorkommenden, Boomslang (Dispholidus typus) und die Lianennatter (Thelotornis kirtlandii), deren Gift schon Todesfälle verursacht haben.
Zu der Gruppe der Hinter-Furchenzähner (Opistoglyphe) gehören einige Nattern, wie zum Beispiel die in Mexiko vorkommenden Erzspitznattern (Oxybelis aeneus ).
- Vorder-Furchenzähner (Proteroglyphe) : Diese Schlangen besitzen am vorderen Ende des Oberkieferknochens zwei feststehende Giftzähne mit Längsfurche und ausgebildetem Innenkanal, durch die das Gift bei einem Biss in das Opfer hineinfließt.
Zu den Vorder-Furchenzähner (Proteroglyphe) gehören die Giftnattern (Elapidae), wie zum Beispiel die Korallenottern (Gattung Micrurus) in Chiapas, und die Seeschlangen (Hydrophiinae), wie zum Beispiel die Plättchen-Seeschlange (Pelamis platurus) an der Küste des Pazifischen Ozeans in Baja California Sur.
- Röhrenzähner (Solenoglyphe) : Diese Schlangen verfügen über einen hoch entwickelten Giftapparat. Die röhrenförmigen, hohlen Giftzähne im vorderen Bereich des Oberkiefers liegen umgeklappt in einer Schleimhautfalte. Bei einem Biss werden die Giftzähne durch das Aufreißen des Rachens senkrecht zum Oberkiefer aufgerichtet. Diese Technik ermöglicht eine effektive Injektion des Schlangengiftes, da die Giftzähne sehr tief in eine Beute eindringen können.
Zu der Gruppe der Röhrenzähner gehören Vertreter aus den Familien der Vipern (Viperidae) und Grubenottern (Crotalidae), wie zum Beispiel die Klapperschlangen (Crotalus) in Yucatán und die Terciopelo-Lanzenotter (Bothrops asper) in Oaxaca.
Zu dem Thema Schlangen siehe auch:
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| | Schlangen | Giftschlangen | Schlangenbisse| Micrurus (Liste) | Klapperschlangen (Tabelle)| Schlangen (Vorbeugende Maßnahmen)| Notfallverhalten nach einem Schlangenbiss |
Quellen
Quellen:
- Serpientes: ¿cómo identificarlas? México desconocido No. 295 / septiembre 2001[1]
- CONABIO: Biodiversidad mexicana. Catálogo taxonómico especies de México.[2]
- Vigilancia epidemiológica. Epidemiología de las mordeduras por serpiente. Volumen 30, número3, Mayo-Junio, 2009[3]
- Reptiles du Monde: Die Schlangen werden anhand ihrer Zähne in 4 Gruppen eingeteilt. [4]
Links
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