Migration
From Mexiko-Lexikon
Unterschieden wird zwischen:
- Binnenmigration: Migration im eigenen Land.
- Auslandsmigration: Zeitliche oder dauerhafte Migration in ein anderes Land.
Inhaltsverzeichnis |
Binnenmigration
Aufgrund der schlechten Lebensbedingungen auf dem Land ziehen immer mehr Menschen in die großen Städte. In den letzten 20 Jahren konnte allein in Mexiko-Stadt eine Zunahme von rund 10 Millionen Menschen verzeichnet werden. Mittlerweile leben 65 Prozent der Einwohner von Mexiko-Stadt unterhalb der Armutsgrenze. Zu dieser Gruppe gehören sowohl Arbeiter mit einem festen Arbeitsvertrag und gesetzlichen Mindestlohn wie auch die große Mehrheit von Tagelöhnern, Gelegenheitsarbeitern, Straßenverkäufer, stundenweise Aushilfskräfte, Haushaltshilfen (Muchachas) und Dienstpersonal.
Für mehr Informationen siehe: Bevölkerung - Stadt, Land
Auslandsmigration
Der "Sueño americano" (übersetzt: amerikanische Traum), veranlasst Jahr für Jahr rund eine Million Menschen, auf der Flucht vor Armut, sozialen Problemen, den Folgen von Bürgerkriegen oder Umweltkatastrophen, von Mexiko aus illegal in die USA einzuwandern. Bei diesen Migranten handelt es sich jedoch nicht ausschließlich nur um mexikanische Bürger, sondern auch um Migranten aus Guatemala, El Salvador und Honduras, die Mexiko als Transitland für den illegalen Grenzübergang in die USA benutzen.
- Es wird geschätzt, dass von den ungefähr 22 Millionen in den USA lebenden Lateinamerikanern, sich etwa 6 bis 10 Millionen illegal in den USA aufhalten.
- Davon sind ca. 60 Prozent Mexikaner.
- Legale Einwanderer von Mexiko in die USA : 7 Millionen Menschen.
- Illegale Einwanderer von Mexiko in die USA:2 - 2,5 Millionen Menschen.
(Im Mai 2006 veröffentlichte die Zeitung El Universal eine Zusammenfassung verschiedener Studien, die folgende Zahlen präsentiert: 35,3 Millionen Latinos in den USA, davon 25 Millionen mexikanischen Ursprungs (66,9 Prozent). Weitere Nationalitäten: Puertoricaner 9,6 %, KUbaner 3,5 %. 9,8 Millionen der Mexikaner sind in Mexiko geboren worden, etwa die Hälfte von diesen Zugewanderten sind "Indocumentados". Die meisten Mexikaner leben in Kaliforniern, Texas, Illinois, Arizona und Colorado. [1])
Gelingt den Migranten die illegale Einreise in die USA, schicken viele regelmäßig Geld an ihre Familien. Die "Remesas", wie diese Geldüberweisungen genannt werden, sind mittlerweile für Mexiko und andere Länder Mittelamerikas zu einer der wichtigsten Devisenquellen geworden. Ca. ein Zehntel der mexikanischen Bevölkerung lebt und arbeitet in den USA (10,23 Millionen Einwohner der USA sind in Mexiko geboren worden, so Zahlen aus dem Jahr 2004 des CONAPO). Viele Migranten hoffen, dass sie nach ihrer Rückkehr mit dem angesparten Geld eine neue Lebensgrundlage in ihrer Heimat aufbauen zu können.
Grenzüberwachung
Seit das Instituto Nacional de Migración (mexikanische Migrationsbehörde – kurz: INM), im Juli 2001 den "Plan Sur" erließ, hat die Überwachung und Kontrolle von Migranten in Mexiko stark zugenommen. Ebenfalls findet, auf Betreiben der US-Regierung, eine verschärfte Überwachung der Grenzübergänge, wie zum Beispiel in der Region zwischen Mexikos Landenge, dem Isthmus von Tehuantepec sowie der Südgrenze, durch illegale Migranten statt. Die Kooperationsbereitschaft Mexikos ist dabei allein schon wegen der wirtschaftlichen und politischen Abhängigkeit von den USA garantiert, wobei nicht zu vergessen ist, dass die illegale Emigration in die USA ein "ökonomisches und soziales Ventil" für Mexiko ist und somit der angespannte Arbeitsmarkt entlastet wird. Die USA haben ebenfalls die Überwachung der großen Grenzübergänge Tijuana (Mexiko) - San Diego (USA), Ciudad Juarez (Mexiko) - EI Paso (USA) und Matamoros (Mexiko) – Brownsville (USA) perfektioniert, so dass Migranten den gefährlichen Weg durch die riesige Sonora Wüste in Richtung USA wählen.
Da Migranten mittlerweile zwischen 6-10 Versuche unternehmen müssen, um illegal die Grenze zu überwinden, haben die sogenannten "Coyotes (Schleuser)" Hochkonjunktur. Damit sie einen Migranten in die USA schleusen, verlangen die Coyoten zwischen 2.000 und 5.000 US-Dollar.
Illegale Grenzübergänge
- Grenze zwischen Mexiko und den USA: Seitdem die großen Grenzübergänge nach Kalifornien (USA) und Texas (USA) immer schärfer kontrolliert werden, nehmen die Migranten tagelange Wanderungen durch die gefährliche Sonora-Wüste (Fläche: ca 320.000 km²) in Richtung Arizonas (USA) auf sich. Neben Hunger, Durst, Erschöpfung, Giftschlangen und gefährlichen Banden gilt es Infrarot-Kameras, satellitengestützte Sensoren und Helikopter, sowie zahlreiche Patrouillen zu überwinden.
Um die illegale Einwanderung von Migranten in die USA zu verhindern, wurde eine Mauer auf der Grenze zwischen dem Bundesstaat Sonora (Mexiko) und dem Bundesstaat Arizona (USA) von bis zu viereinhalb Metern Höhe gebaut. Sie ist ausgestattet mit Bewegungsmeldern, 140 Infrarotkameras und 400 Stadionlampen. Täglich werden zwischen 30 bis 50 Festnahmen durchgeführt. Eine weitere Mauer (gemeinhin bezeichnet als "barrier" oder "muro") soll sich entlang der gesamte Grenze entlangziehen (Sensen-Brenner-Gesetz), das US-Repräsentantenhaus nahm den Vorschlag im Dezember 2005 an. Mexiko protestiert gegen dieses Gesetzesprojekt, zumal es die Illegalen als Kriminelle einstuft. Derzeit (Stand Juli 2006) ist eine endgültige Entscheidung noch nicht getroffen. Der US-Senat beschloss 2006 eine modifizierte Version des Gesetzes, die gegen einen finanzielle Entschädigung die Legalisierung von Migranten vorsieht, zugleich aber eine stärkere Überwachung der Migration einfordert. Das Abgeordnetenhaus muss dem noch zustimmen. Unabhängig davon hat die US-Regierung im Mai 2006 die Entsendung der Nationalgarde zur Unterstützung der Grenzpolizei an die Grenze angeordnet, seitdem sprechen Kritiker von einer "Militarisierung" der Grenze.
- Grenze im Süden Mexikos, zwischen Guatemala und Chiapas (Mexiko): Viele Migranten überqueren den Grenzfluss Suchiate, um von Guatemala nach Mexiko zu gelangen. In der Grenzstadt Tapachula (Bundesstaat Chiapas) oder Ciudad Hidalgo versuchen sie nachts den Güterzug, der auch "el Tren de los muertos" ("Todeszug") genannt wird, zu erreichen. Dieser Zug fährt zwei- bis dreimal in der Woche von Chiapas aus in Richtung der texanischen Grenze über Tabasco und Veracruz. Zu Hunderten warten sie entlang der Gleise, um auf die Waggons aufzuspringen. Viele Migranten rutschen beim Aufspringen ab oder fallen während der Fahrt vom Zug und geraten unter die Räder des Zugs.
Abschiebung
Seit Januar 2002 führt Mexiko, mit finanzieller Hilfe der USA, das Programm La Repatriación Segura (»Sichere Rückführung in die Heimatländer«) durch. Allein im Jahre 2002 wurden im Rahmen des Programms mehr als hunderttausend Migranten aufgegriffen und abgeschoben.
Im Jahre 2004 hat Mexiko 211.000 Personen in ihre Heimatländer nach Mittelamerika zurückgeschickt, jeden Tag 580. Im Jahre 2003 waren es noch 178.000.
Ebenfalls wurde zum Schutz der Migranten die nicht unumstrittene staatliche Organisation Beta Sur gegründet.
Gefahren
Nicht selten verschwinden Coyotes plötzlich während der Reise und lassen zum Beispiel die Migranten allein, oft ohne Wasser und Nahrung, in der Sonora-Wüste zurück oder sorgen dafür, dass sie von dem „Instituto Nacional de Migración“ (die mexikanische Migrationsbehörde) aufgegriffen werden. Einige Hundert Migranten (die Dunkelziffer liegt dabei um einiges höher) sterben jährlich (ertrunken, in der Wüste verdurstet, von Zügen gefallen, von Schlangen oder Skorpionen gebissen oder ermordet) auf dem Weg in die USA.
Weitere Gefahren für Migranten sind: Ausgeraubt zu werden, verschiedene Arten der sexuellen Ausbeutung und im schlimmsten Fall, dass Frauen und Kinder an Bordelle verkauft werden.
Eine weitere große Gefahr sind die kriminellen Banden.
- An der Grenze zwischen Mexiko und den USA lauern die Chicano-Banden, die sogenannten "Cholos", den Mexikanern auf, die in die USA wollen. Diese Banden schlagen und rauben die Migranten aus.
- An der Grenze von Guatemala in den südlichen mexikanischen Bundesstaat Chiapas lauern die Maras, um die Mittelamerikaner, die von Chiapas aus in die USA wollen, auszurauben und zu töten. Nicht selten genug arbeiten die Coyotes mit den Maras, bewaffnete Banden, die von ehemaligen Mitgliedern zentralamerikanischer Todesschwadronen gegründet wurden, zusammen.
Diese Vorfälle werden in sehr vielen Fällen von der Polizei und der Regierung ignoriert. Die Hälfte aller Anzeigen von Mittelamerikanern und ihren Verteidigern, die bei der CNDH (Comisión Nacional de Derechos Humanos – staatliche mexikanische Kommission für Menschenrechte) eingereicht werden, richten sich gegen die staatliche Migrationsbehörde INM (Instituto Nacional de Migración). Die Anzeigen belaufen sich auf Brutalität, Erpressung und allerlei andere Delikte gegen Migranten. Nur 2 von 10 Anzeigen richten sich gegen die Maras.
Aufgrund der schärfen Grenzkontrollen wird es für mexikanische Migranten immer gefährlicher illegal in die USA zu gelangen. Seit Anfang 2007 bis heute (Stand Ende Juni 2007) sind, laut mexikanischen Medien, 275 Mexikaner bei dem Versuch, illegal in die USA zu gelangen, ums Leben gekommen. Von 1990 bis Ende Juni 2007 erhöht sich dadurch die Zahl der Toten auf 3.000. Es wird befürchtet, dass die gescheiterte US-Einwanderungsrechtsreform zu einem weiteren Anstieg der illegalen Grenzübergänge führt.
Siehe auch: Grenze Mexiko-USA | Coyote (Schleuser) | Maras | Plan zur Stärkung der südlichen Grenze | Plan Sur | La Repatriación Segura | Coyote (Plan) | Tortilla Vorhang | und Beta Sur.
US-Einwanderungsrechtsreform
Eine von US-Präsident Bush vorgelegte Gesetzesvorlage zur Reform des Einwanderungsrechts hat im US-amerikanischen Senat am 28.Juni 2007 die nötige Stimmenmehrheit verfehlt. Der Entwurf dieser Gesetzesvorlage sah vor: dass die Grenzpolizisten zur Eindämmung der illegalen Einwanderer verstärkt werden; die Grenzen zu Mexiko wesentlich bessere Sicherungen erhalten und gegen Arbeitgeber, die Illegale beschäftigen, schärfer vorgegangen wird. Im Gegenzug sollten dafür rund zwölf Millionen, bereits im Land lebende Immigranten, die Staatsbürgerschaft erhalten. Der mexikanische Präsident Felipe Calderón kritisierte daraufhin in Mexiko-Stadt das Scheitern der US-Einwanderungsrechtsreform. Laut Calderon wird damit die Tür zur legalen Migration geschlossen und die zur illegalen geöffnet. Dies wiederum würde zu gefährlichen und unsicheren Bedingungen auf beiden Seiten der Grenze führen. Die Wirtschaft in den USA kann seiner Ansicht nach nicht ohne die Arbeit der Einwanderer in Gang gehalten werden."
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