Massaker von Tlaltelolco

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Inhaltsverzeichnis

Massaker vom 2.Oktober 1968

Geschehnisse

1968 wurde Mexiko von Studentenprotesten erschüttert, die sich gegen die seit der Revolution (1910-1920) regierende politische Eliten richteten. Die Studenten verlangten mehr demokratische Freiheiten. Aus Furcht, vor den baldigen Olympischen Spielen im eigenen Haus die Kontrolle zu verlieren, entschloss sich die mexikanische Regierung zur Unterdrückung der Proteste: Im September 1968 stürmte die Armee die UNAM-Universität. Eine Demonstration von 8.000 Studenten auf der Plaza de las Tres Culturas von Tlaltelolco eskalierte. Zunächst hatte man eine Schießerei auf dem Platz provoziert, bei denen Polizisten in Zivil auf Soldaten schossen, um so deren Angriff zu provozieren. Dann nahmen Spezialeinheiten der mexikanischen Armee die Menge auf dem Platz von den umliegenden Hochhäusern aus unter Beschuss. Die Zahl der Opfer blieb bis heute ungeklärt, Schätzungen gehen von 20 bis 300 Toten aus.

Untersuchung und Anklage

Über die genauen Hintergründe des militärischen Eingreifens herrschte lange Zeit Unklarheit, erst nach 2000 untersuchte eine Menschenrechtskommission namens Fiscalía para Movimientos Sociales y Políticos del Pasado, kurz "Femospp" (Staatsanwaltschaft für soziale und politische Bewegungen der Vergangenheit), das Massaker und bewies, zusammen mit Medienrecherchen, die Verantwortung von Armee und Regierung, insbesondere des damaligen Innenministers und späteren Staatspräsidenten Luis Echeverría. Inwiefern Anklage gegen die Verantwortlichen erhoben werden kann, ist noch unklar: Anfang 2005 erklärte der Oberste Gerichtshof, das von Mexiko 2002 unterschriebene UNO-Protokoll über "Verbrechen gegen die Menschheit" sei nicht rückwirkend auf vergangene Ereignisse anwendbar, während nach mexikanischem Recht das Massaker verjährt sei (30-Jahr-Frist). Am 19.September 2005 schließlich erhob die Femospp Anklage gegen den Ex-Präsidenten und sechs weitere Beschuldigte wegen Genozid. Am 21.September 2005 lehnte ein Gericht jedoch die Festnahme der Beschuldigten ab. Die Übernahme der laufenden Revisionsbeschwerde gegen dieses Urteil durch die Femospp lehnte am 11.Januar 2006 der Oberste Gerichtshof des Landes ab - der Fall sei nicht von "Bedeutung" für das Land. Eine endgültige Entscheidung muss der nun zuständige zweiten "Tribunal Unitario" (Gerichtshof) von Mexiko-Stadt fällen. Tatsächlich wurde Echeverría Ende Juni 2006 überraschenderweise unter Hausarrest gestellt. Dieser wurde jedoch wenige Tage später wieder aufgehoben.

Das Massaker von Tlaltelolco und der drei Jahre später erfolgte "Halconazo" gelten allgemein als Beginn der Guerra Sucia der siebziger Jahre.

Film: Rojo amanecer

Der mexikanische Regisseur Jorge Fons erstellte 1989 den Film „Rojo amanecer“ (Rotes Morgengrauen). Dieser Film greift das Massaker von Tlaltelolco kurz vor den Olympischen Spielen auf. Geschildert wird dieses Massaker aus der Sicht einer mittelständischen Familie, die zufällig Zeuge der Vorgänge wurde. Dieser Film wurde mit mehreren Preisen, darunter der Goldenen Ariel (mexikanischer Oscar) ausgezeichnet.

Nationaler Gedenktag

2. Dezember 2008: Der Senat hat den 2.Oktober zum nationalen Gedenktag erklärt. In Erinnerung an das Massaker von Tlaltelolco, bei dem etliche Demonstranten durch Regierungssoldaten ermordet worden sind, soll künftig am 2. Oktober die Nationalfahne auf Halbmast gesetzt werden.

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