Film
From Mexiko-Lexikon
Die frühen Filme der dreißiger Jahre prägten nicht unwesentlich das weltweite Klischee des Mexikaners als heißblütigem "Charro" mit riesigem Sombrero und klirrenden Silbersporen. Einer der ersten und erfolgreichsten dieser Filme ist "Allá en el Rancho Grande" von Fernando de Fuentes. Die "goldene Epoche", als mexikanische Filme den lateinamerikanischen Markt überschwemmten, ging Ende der fünfziger Jahre zu Ende, als Hollywood Mexikos Filme mehr und mehr vom Markt verdrängte. Bedeutende Filme dieser "Epoca de Oro" waren:
Allá en el Rancho Grande (1936)
Fernando de Fuentes. Tito Guízar und Esther Fernández. Die Freundschaft zwischen dem Haciendabesitzer Felipe und seinem Freund Martín wird auf eine harte Probe gestellt, als sich Felipe in das Bauernmädchen Crucita verliebt. Verwechslungen und Missverständnisse, verpackt in eine ordentliche Portion Raufereien, Tanz, Musik und flotten Rancheras, lösen sich letztendlich in ein Happy-End auf.
Ahí está el detalle (1940)
Juan Bustillo Oro. Mario Moreno, Joaquín Paradavé und Sara García. Die Namensgleichheit eines Hundes mit dem Gangsterboss "Bobby" sorgt für reichlich Verwirrung zwischen einem eifersüchtigen Ehemann, einer nervösen Ehefrau, einem spitzbübischen Dienstmädchen, einer verlassenen Ehefrau mit acht Kindern und dem skurrilen Junggesellen Cantinflas. Mit diesem Film schaffte Cantinflas seinen Durchbruch im Filmgeschäft.
Maria Candelaria (Xochimilco) (1943)
Emilio Fernandez. Dolores del Río und Pedro Armendáriz. Xochimilco im Jahre 1909, Maria Candelaria und Lorenzo Rafael wollen heiraten. Doch bevor es dazu kommt erkrankt Maria an Sumpffieber. Um ihr zu helfen beraubt der mittellose Rafael Chinin den Laden des gefürchteten Don Damián, der auch hinter Maria her ist. Lorenzo wird geschnappt und landet im Gefängnis. Maria stirbt einsam, von den Dorfbewohnern verachtet, die glauben, sie hätte nackt für einen Maler Modell gestanden.
Enamorados (1946)
Emilio Fernandez. Maria Felix und Pedro Armendáriz. Die Revolutionstruppen unter General Jose Juan Reyes nehmen den verschlafenen Ort Cholula ein. Während die Truppen das Eigentum der reichen Dorfbewohner konfiszieren, verliebt sich der General in die unnahbare Beatriz Peñafiel, Tochter des angesehensten Bürgers des Ortes.
Ensayo de un crimen (1955)
Das verbrecherische Leben des Archibaldo de la Cruz Luis Buñuel. Ernesto Alonso und Miroslava. Der Mord an mehreren Frauen im Umfeld von Archibaldo de la Cruz machen ihn verdächtig. Er hatte alle Opfer geliebt. Es kommt zu einem Verhör, in dessen Verlauf er von seiner Kindheit erzählt und die Gründe darlegt, warum er glaubt, am Tod dieser Frauen Schuld zu sein. Wenige Tage nachdem der Film zu Ende gedreht wurde, beging Miroslava Selbstmord. Sie hatte in weniger als neun Jahren in 30 Filmen mitgemacht und war auf dem Höhepunkt ihrer Karriere.
Nazarín (1958) Nazarin
Luis Buñuel. Marga López und Francisco Rabal. Mexiko zu Begin des letzten Jahrhunderts. Der bescheidene "Wunderheiler" Nazarín teilt sein Los mit der mittellosen Landbevölkerung, die rund um das Anwesen von Chanfa leben. Eines Tages brennt Chanfa und Nazarín gibt einer Prostituierten Schutz, die für den Brand verantwortlich gemacht wird. Er muss flüchten und zieht durchs Land. Es kommt zu Begebenheiten, die Nazarín an der christlichen Nächstenliebe seiner Mitmenschen zweifeln lässt.
Eine der überragendesten Schauspielerinnen (neben Dolores Del Rio) dieser Zeit war Maria Felix, die "Femme-Fatale" des mexikanischen Films schlechthin. Eine weitere sehr beachtete Filmschauspielerin, eigentlich aus Tschechien stammend, war Miroslava. Auf den Höhepunkt ihrer Karriere beging sie aber aus enttäuschter Liebe im Alter von 29 Jahren Selbstmord. Ihr Leben wurde 1993 verfilmt. Ihre Rolle spielte Arielle Dombasle.
Mario Moreno, "Cantinflas" genannt, schaffte es, über die so genannten "Goldenen Jahre" hinaus bis in die frühen achtziger Jahre erfolgreich zu sein und den Inbegriff des mexikanischen Humors (des kleinen Mannes) in der ganzen spanischsprachigen Welt darzustellen. Er was das, was Charly Chaplin für die englischsprachige oder Louis de Funes für die französischsprachige Welt war. Sein Markenzeichen war seine leicht lispernde, viel zu schnelle Stimme, sein Schnautzbart und die bis an die Hüften hängende, viel zu große Hose. Als er 1993 starb, glich seine Beisetzung in Mexiko-Stadt einem Staatsbegräbnis. Er war zuvor im Palacio Bellas Artes aufgebart worden, wo abertausende Mexikaner jeden Alters und gesellschaftlicher Stellung Abschied von ihm nahmen. Er hatte weit über vierzig Filme gedreht und blieb immer seinem Land sehr verbunden. Hollywood reizte ihn nicht, er zog es vor in Mexiko zu bleiben. Einer seiner wenigen, nicht in Mexiko gedrehten Filme war: "In achtzig Tagen um die Welt" mit David Niven. In diesen Film spielte er die Rolle des eifrigen Dieners.
Obwohl von Geburt aus Spanier, war es Luis Buñuel, der noch in den sechziger Jahren bedeutende mexikanische Filme drehte. Weitere wichtige Vertreter des mexikanischen Films waren: Albert Isaac, Arturo Ripstein, Fernando Cazals und Alfonso Arau.
Eine wichtige Einrichtung zur Erhaltung und Förderung des mexikanischen Films war die Gründung des "Centro Universitario de Estudios Cinematográficos", Universitätszentrum für Filmstudien und die des "Instituto Mexicano de Cinematografía". Neben der zuvor genannten staatlich finanzierten Filmindustrie entstanden auch zahlreiche unabhängige Produktionsgesellschaften, wie u.a. "Red México Insurgentes".
Seit Anfang der neunziger Jahre ist der mexikanische Film wieder im Aufwind. Dazu beigetragen haben u.a. diverse mexikanische Filmschauspieler, die in Hollywood Karriere machten, wie z.B. Salma Hayek. Hier einige der erfolgreichen Filme der letzten Jahre:
Danzón (1991)
Maria Novaro. Maria Rojo und Carmen Salinas. Die alleinerziehende Julia teilt ihr Leben in drei Kapitel ein: Ihre Arbeit als Telefonistin in der Telefongesellschaft, ihr Leben mit ihrer Tochter und ihre Leidenschaft für den Tanz "Danzón". Jeden Mittwoch abend vergisst sie die Welt in den Armen ihres Tanzpartners Carmelo im Tanzsalon Colonia. Eines Abends verschwindet ihr Tanzpartner auf mysteriöse Weise. Julia vermutet ihn in Veracruz und macht sich auf die Suche nach ihm. Doch was sie noch nicht weiß, ist dass diese Reise ihr Leben für immer verändern wird.
Sólo con tu pareja (1991)
Alfonso Cuarón. Daniel Gimérez Cacho und Claudia Ramírez. Der junge und erfolgreiche Journalist Tomás hat wieder einmal ein Herz gebrochen, doch das stört ihn nicht. Bei einer Routineuntersuchung bei seinen Arzt läßt er einen AIDS-Test machen. Was er nicht weiß: Seine verflossene Liebe arbeitet dort als Arzthelferin. Als sie seine Blutprobe in die Finger bekommt, rächt sie sich, indem sie "Positiv" in das Protokoll schreibt. Für Tomás bricht eine Welt zusammen. Er möchte nicht langsam sterben und so sucht er nach Mittel und Wegen, möglichst schnell aus dem Leben zu scheiden. Dabei trifft er auf die ebenfalls lebensmüde Stewardess Clarisa und verliebt sich in sie.
Como agua para chocolate (1992) / Bittersüße Schokolade
Eine Geschichte zwischen Liebe und gutem Essen, die sich Ende des 19.Jahrhunderts im Norden von Mexiko abspielt. Tita und Pedro sehen ihre Liebe in Gefahr, als ihre Mutter entscheidet, dass sie nicht heiraten darf. Vielmehr soll sie in Zukunft die Pflege ihrer alternden Mutter übernehmen. Gefangen in jahrhundertalten Zwängen und Traditionen, fügt sich Tita ihrem Schicksal. Inmitten vom Duft und Geschmack der traditionellen mexikanischen Küche, die Tita meisterhaft beherrscht, leidet sie viele Jahre. Am Ende finden die Beiden die tragisch-schöne Erfüllung ihrer Liebe, die alle Zeiten überstand.
Sexo, pudor y lágrimas (1998)
Antonio Serrano. Victor Huggo Martín, Susana Zabaleta, Demián Bichir, Cecilia Suávez, Jorge Salinas und Monica Dionne. Carlos und Ana haben, genau so wie Andrea und Miguel Probleme. Unerwartet tauchen ihre Freunde Tomás und Maria auf, die auch noch die Expartner der beiden Paare sind. Die bereits bestehenden Probleme verdoppeln sich und bringen das schon schwankende Fundament ihrer Beziehung vollends aus dem Gleichgewicht.
Amores Perros (2000)
Regie Alejandro González Iñárritu, Schauspieler: Emilio Echevarría, Gael García Bernal
Ein schrecklicher Verkehrsunfall führt drei junge Leute zusammen: Octavio, der seinen Hund "Cofi" zu einer Kampfmaschine dressiert hat. Valeria, ein junges hübsches Fotomodel, die ihre Karriere und das Zusammenleben mit Daniel zerstört sieht. Sie bleibt, in ständiger Begleitung ihres kleinen Hundes "Richi" in der Enge ihrer Wohnung gefangen. Der Stadtstreicher Chivo, ein ehemaliger Ex-Guerillero, der einst seine Familie verlassen hatte und jetzt seine erwachsene Tochter sieht und sich nicht an sie heran traut. Er schenkt all seine Liebe den Straßenhunden. Keiner der Drei wird mehr der Gleiche wie vor den Unfall sein. Alle, einschließlich der Hunde, ereilt ein Schicksal nach dem Unfall, dass sie sich vorher nicht hätten vorstellen können. Der Film bildete den Auftakt einer Trilogie zum Thema, wie ein bestimmnter Moment drei voneinander losgelöste Handlungen und deren Akteure zusammenführt. 2003 folgte "21 Gramm" mit den US-Schauspielern Naomi Watts, Sean Penn und Benicio del Toro, 2006 "Babel" mit Brad Pitt, Cate Blanchett und Gael Garcia Bernal.
Novelas
Heute haben die "Novelas", nicht endende TV-Seifenopern einen weit höheren Stellenwert in der mexikanischen Filmproduktion als abgeschlossene Spielfilme. Die "leicht verdauliche" Filmkost ist für alle gleich preiswert und leicht allabendlich von Zuhause aus zu konsumieren. Bedeutende Stars dieser "Novelas" sind u.a. Veronica Castro, deren Filme weltweit synchronisiert zu sehen waren (u.a. in der Türkei, China, in Ländern der ehemaligen Sowjetunion und in einigen arabischen Staaten). Ihre Filme wurden in 25 Sprachen synchronisiert. In Deutschland liefen die Novelas "Die wilde Rose" und "Nie vergass ich Soledad". Selbst in Ägypten wurde die Sängerin und Novelas-Darstellerin Thalia in ihrer Rolle als "Marimar" auf arabisch synchronisiert. Die Serie lief 1997 im deutschen Fernsehen.
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