Bildung und Schulwesen

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Mexiko verfügt derzeit (Stand 2004) über insgesamt 198,200 staatliche und 32,800 private Schulen, Hochschulen und Fachschulen verschiedenster Art. 1970 waren es nur etwa mehr als 50.000 staatliche und private Einrichtungen. Der Alphabetisierungsgrad liegt offiziell bei 92 Prozent. Der Anteil der Ausgaben für Bildung und Schulwesen liegt bei 5,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukt.

Inhaltsverzeichnis

Grund-, Mittel-und Oberschule

In Mexiko besteht eine sechsjährige allgemeine Schulpflicht. Das Schulsystem ist aufgebaut in:

  • 6 Jahre Grundschule (Primaria)
  • 3 Jahre Mittelschule (Secundaria).
  • Im Anschluss an die Mittelschule erfolgt eine dreijährige Oberschule (Preparatoria), in Mexiko als "Prepa" bekannt, als „Vorbereitung für das Berufsstudium“ oder aber um anschließend die Universität besuchen zu können. Die Oberschule endet mit dem "Bachillerato" (Abitur).

Die staatlichen Schulen sind kostenlos. Typisch für sie ist die Schulkleidung. Mittels dieser Schuluniform soll verhindert werden, das sich einzelne Schüler durch bessere Kleidung von ihren Schulkollegen abheben. Allerdings schicken fast alle Mexikaner, die es sich finanziell leisten können, ihre Kinder auf Privatschulen. Die Lehrer der Privatschulen sind mitunter besser ausgebildet, die Ausstattung reichhaltiger, die Angebote vielfältiger. Schwerwiegender sind allerdings die Befürchtungen der Eltern, ihrem Kind durch einen staatlichen Abschluss die berufliche Karriere zu erschweren. Hinzu kommt, dass die Kinder der Mittel- und Oberschicht auf Privatschulen "unter sich" bleiben und damit für das spätere Leben private Kontakte sammeln, die im beruflichen Alltag von Vorteil sein können.

Die Privatschulen reichen bis in den universitären Bereich hinein. Die Lehrer verdienen allerdings nicht wesentlich besser als an den staatlichen Schulen, können aber mit einer angenehmeren Arbeitsatmosphäre rechnen (kleinere Klassenverbände, striktere Disziplin). Problematisch kann mancher Elternanspruch sein, mittels der exorbitanten Schulgelder den "Schulabschluss" quasi kaufen zu können. Die Privatschulen unterliegen aber ebenso wie die staatlichen Schulen hinsichtlich Lehrinhalt und Zeugnismodalitäten den Vorgaben des Erziehungsministeriums SEP.

Eine Sonderstellung nehmen die ausländischen Schulen ein (Colegio Alemán, Colegio Francés). Ursprünglich als Ableger der nationalen Schulen für Deutsche, Franzosen, Amerikaner oder Italiener gedacht, haben sich die "Colegios Extranjeros" längst jedem geöffnet. Sie werben mit bilingualem Lernen und in Europa anerkannten Abschlüssen. Die Colegios Alemanes beispielsweise geben die Möglichkeit, das deutsche Abitur (neben dem mexikanischen) zu erwerben und dem Schüler damit das Studieren in Deutschland zu erleichtern. Von den Schulgeldern her liegen gerade die ausländischen Privatschulen aber im oberen Bereich.


Bildungsstand, insbesondere der indigenen Bevölkerung

Durchschnittlich beenden 28,4 Prozent aller Schulkinder (Stand 2000) nicht die reguläre Grundschulzeit oder haben keine Schulbildung. In ländlichen Gebieten, weitab von den größeren Städten und entlegenen Gebirgsregionen, wie zum Beispiel im Süden des Bundesstaates Chiapas, gehen die Mädchen im Durchschnitt 3 Jahre und die Jungen 5 Jahre zur Schule. Allerdings kommt es auch häufig vor, dass Kinder auf Grund von bestehender Armut innerhalb der Familien nur sporadisch oder überhaupt keine Schule besuchen. Im Bundesstaat Chiapas gehen fast 53 Prozent der indigenen Mädchen zwischen 6 und 12 Jahren nicht zur Schule im Vergleich zu 46 Prozent der Indigena–Jungen.

Liegt der Hauptgrund für den geringen Schulbesuch der Kinder aus indigenen Familien sicherlich in der Notwendigkeit, zum Familienunterhalt beizutragen, so gibt es auch bürokratische und kulturelle Hürden. Oftmals sprechen die Eltern kein Spanisch, um die Kinder einzuschreiben. Sie haben keine offizielle Adresse, die für die Schuleinschreibung benötigt wird. Es fehlen wichtige Dokumente, weil zum Beispiel im Heimatort der Eltern nie eine Geburtsurkunde ausgestellt wurde. Oder die Eltern haben kein Geld, die Schulmaterialien wie Uniform, Stifte, Hefte und Bücher für ihre Kinder zu kaufen.

Diese Umstände führen dazu, dass 8 Prozent der Mexikaner weder lesen noch schreiben können. Unter der indigenen Bevölkerung steigt der Anteil der Analphabeten auf 40 Prozent, bei deren Frauen auf 70 Prozent. Dieser Statistik bezieht sich allerdings lediglich auf die spanische Sprache, da oftmals die indigenen Sprachen wie z.B. Maya nicht berücksichtigt werden. 70 Prozent der 20- bis 24-jährigen verfügen nur über einen Abschluss des Sekundarbereichs I oder weniger.

Hochschulen/ Universitäten

Es gibt in Mexiko ca. 500 öffentliche und 700 private Hochschulen der höheren Bildung, die durchaus in Teilbereichen mit denen der europäischen Staaten mithalten können. An diesen Einrichtungen studieren ca. 2,4 Millionen Studenten. Etwa 11 Prozent der Einwohner Mexikos haben ein abgeschlossenes Hochschulstudium. Viele Studierende ziehen private Hochschulen vor, wenn sie es sich finanziell leisten können. Die privaten Universitäten erheben Studiengebühren, die in einigen Fällen sogar an die Gebühren US-amerikanischer Universitäten heranreichen.

Aufgrund der überfüllten Universitäten können teilweise in einigen Bereichen bis zu 50 Prozent der Studienbewerber nicht mehr zugelassen werden. Dies wirkt sich auch auf ausländische Studenten aus, viele Universitäten verlangen einen Einstufungstest.

Laut dem „Deutschen Akademischen Austauschdienstes" umfasst das öffentliche Hochschulwesen folgende Einrichtungen:

  • 46 Universitäten in Trägerschaft der Bundesregierung oder der Bundesstaaten. Zu den Universitäten in Trägerschaft der Bundesregierung gehört die Universidad Nacional Autónoma de México, die älteste und renommierteste Universität des Landes.
  • 111 Technische Hochschulen in Trägerschaft der Bundesregierung ("Institutos Tecnológicos Federales") mit vierjährigen Studiengängen. Eine kontinuierlich wachsende Zahl unter ihnen bietet neben grundständigen Studiengängen auch Master- und Promotionsprogramme an.
  • 80 Technische Hochschulen in Trägerschaft der Bundesstaaten (Institutos Tecnológicos descentralizados), die im Verlauf der neunziger Jahre aufgebaut wurden und vierjährige Studiengänge anbieten.
  • 44 Technische Institute (Universidades Tecnológicas) (Stand 2003) mit zweijährigen Studiengängen. Dieser Hochschultyp war 1991 eingeführt worden.
  • 3 ganz neue Polytechnische Hochschulen, die vor allem Absolventen der zweijährigen Institute aufnehmen und ihnen ein Weiterstudium zum Erwerb eines höheren Studienabschlusses ermöglichen.
  • 26 überwiegend ebenfalls noch junge Forschungseinrichtungen (Quelle für diese Angaben:Länderstudie Mexiko (PDF-Dokument))


Zu den bedeutendsten Universitäten gehören

Wichtige Einrichtungen für den Wissenschaftsbetrieb sind:


Berufsqualifizierende Examen

  • Licenciatura und Ingeniería sind die ersten berufsqualifizierenden Examen und können frühestens nach vier Studienjahren erworben werden.
  • Maestría ist der nächsthöhere Grad und wird in der Regel nach zwei Jahren erreicht.
  • Doctorado kann nach ca. 3 weiteren Jahren erreicht werden.

Die "Licenciatura"/"Ingeniería" entspricht in Deutschland dem Bachelor. Die "Maestría" entspricht dem deutschen Universitätsdiplom und berechtigt international zur Aufnahme einer Promotion.

Siehe auch: Gesellschaft | Porros

Öffentliche Bibliotheken

Mexiko verfügt über ein dichtes Netz öffentlicher Bibliotheken. Die größte, die Biblioteca de México "Jose Vasconcelos", findet sich in Mexiko-Stadt. Der Red Nacional de Bibliotecas Públicas sind sämtliche Büchereien untergeordnet. Insgesamt gibt es rund 6000 Bibliotheken im gesamten Land.

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