Ballspiel
From Mexiko-Lexikon
Die Olmeken, Zapoteken, Mixteken, Maya, Azteken, Tolteken und viele andere Völker Mesoamerikas praktizierten das rituelle Ballspiel aus mehreren Gründen: Zu Ehren ihrer Götter und Herrscher, um religiöse Entscheidungen zu treffen, zur Unterhaltung der Herrscher und der Bevölkerung oder auch um die Entscheidung in einem Krieg herbeizuführen. Die Azteken nannten dieses Ballspiel "Ullamaliztli" und die Maya "POK TA POK", abgeleitet von dem Ton, den der Ball macht, wenn er geschlagen wird.
Bei dem Ballspiel stand der kosmologische Mythos, der tägliche Weg der Sonne („Vater“ Sonne) am Himmel und von ihrem nächtlichen Gang durch die Unterwelt, im Mittelpunkt. Der Himmel oder Kosmos wurde durch den steinernen Ring (durch dessen mittlere, kleine Öffnung die Spieler den Ball hindurchbringen mussten) symbolisiert.
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Ballspielplatz
Jede Stadt besaß mindestens einen, oft mehrere gemauerte Ballspielplätze. Das Ballspiel wurde, den verschiedenartigen Ballspielplätzen nach zu urteilen, in verschiedenen Varianten durchgeführt. Spielten auf den kleinen Plätzen zwei bis vier Spieler, so bedurften die größeren Plätze schon etwa 20 Personen aus zwei Mannschaften.
Der Ball
Der Ball, der die Sonnenscheibe, und damit das Leben symbolisierte, bestand entweder aus Gummi (mit einem Gewicht zwischen 500 und 1500 Gramm) oder aus einem mit Leder bezogenen Totenschädel. Das yukatekische Wort für Gummi, und ebenfalls für Blut, welches das Bindeglied aller Lebensbereiche der Maya war, lautet „k'ik'“. Damit stellt der Ball auch die Lebenskraft und das Blut der Ahnen da und gilt somit als Mittler zwischen Leben und Tod. Aus diesem Grunde wird das Ballspiel in Bezug zu Xibalbá (die Unterwelt) gesetzt.
Die Spieler
Die Spieler waren in der frühen Zeit meist Würdenträger, hochgestellte Persönlichkeiten, Fürsten oder Priester in der Tracht der Götter. Gefangene folgten erst zu einer viel späteren Zeit.
Die Kleidung der Ballspieler
Ein Spieler war bekleidet:
- mit einem Rock oder Lendenschurz.
- zum Schutz der Hüfte mit einem Joch (yugo) aus Leder.
- einem kleinen Hacha (Steinkopf) wurde am Gürtel befestigt.
- Die Ellbogen und die Arme wurden manchmal durch eine Art Fellüberzug geschützt.
- Knieschützer (auf Reliefs sieht man diese oft als ein Gesicht).
- Kopfschmuck, der jedoch wahrscheinlich während des Spieles abgenommen wurde.
- mit einem Palma (länglicher Stab aus Stein). Damit konnte er im Spiel den Ball abfangen bzw. ins Spiel zurückwerfen.
Spielweise
Der Ball durfte nur mit Ellbogen, Hüfte und Gesäß geprellt werden. Manche Archäologen gehen davon aus, das eventuell das Knie ebenfalls benutzt werden durfte. Bei der Berührung anderer Körperteile gab es Strafpunkte. Beide Spielparteien bemühten sich, den Ball in Bewegung zu halten. Gute Spieler schafften es, diesen Ball sogar eine ganze Stunde lang im Spiel zu halten, ohne dass er dabei den Boden berührte. Eine unglaubliche Vorstellung und Leistung, zumal wenn man bedenkt, dass einige Spieler bereits während des Spieles verstarben: Sei es durch die Ermattung, wenn die Spieler ohne Pause dem Ball hinterher jagten oder aber wenn der Ball sie mit voller Wucht an den ungeschützten Körperteilen traf. Dies geschah, wenn der Spieler dem Ball entgegensprang und dabei auf dem Unterleib oder dem Magenausgang getroffen wurde.
Ein besonderer Trick der Spieler war es, sobald sie den Ball in der Luft ankommen sahen, ihre Knie oder das Gesäß so in Position zu bringen, dass sie den mit hoher Geschwindigkeit ankommenden Ball schon in der Luft zurückspielten. Allerdings erlitten sie dabei sehr oft so schwere Blutergüsse an den Knien oder Hüften, dass diese mit einer Obsidianklinge aufgeschnitten werden mussten.
- Das Ziel des Spiels war es, den Ball durch den Ring zu führen, der am oberen Ende der Wand befestigt war.
Ein wahrhaft "mörderisches" Spiel in den Augen der Betrachter. Um so größer war die Freude, wenn es jemanden gelang, den Ball durch das kleine Loch im Steinring zu werfen. Der Spieler wurde von allen in den Arm genommen und geehrt. Man sang Loblieder auf ihn. Die besonders guten Spieler wurden von den Herrschern wie tapfere Krieger belohnt.
Sieger und Verlierer
Die Verstorbenen zogen entlang der Milchstraße („zac beh“= weiße Straße) nach Xibalbá, ins Reich der Toten.
Die Frage, ob nun die Siegermannschaft oder die Verlierermannschaft, oder ob nur der Mannschaftsführer geopfert wurden, erregt seit Jahren die Gemüter der Mayaforscher. Aber immer mehr Forscher gehen, unter Bezugnahmen auf das Popol Vuh, davon aus, dass die Siegermannschaft geopfert wurde, um ihnen den Zugang zum Pantheon zu öffnen und sie damit die Ehre erhielten, selbst zu Götter zu werden.
- Das Popol Vuh unterstreicht (durch die Erzählung über die heldenhaften Zwillinge) das es sich beim Ballspiel um einen reinen symbolischen, rituellen Akt handelt.
- Das Einzige, was man mit Sicherheit bestimmen kann, ist die enge Verbindung von Ballspiel und Menschenopfer wie auch Kampf und Krieg.
Tipp
Das Ballspiel „POK TA POK“ kann man sich in Xcaret ( 45 Minuten von Cancun und 5 Minuten von Playa del Carmen entfernt) in einer speziellen Vorführung anschauen.
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